Prag

Ungelt im Teynhof – mittelalterlicher Salzhandelsplatz am Altstädter Ring im Zentrum Prags
Foto: W. Dathe
Die heutige Hauptstadt der Tschechischen Republik liegt an der Moldau. Im 9. Jahrhundert wurde die Prager Burg und im 10. Jahrhundert eine zweite Burg auf dem Vyšehrad als Sitz der Přemysliden angelegt. Im Schutz der beiden Burgen entwickelten sich auf beiden Seiten der Moldau Ansiedlungen deutscher und jüdischer Kaufleute und einheimischer Handwerker. Um 1230/1234 erteilte König Wenzel I. Prag das Stadtrecht. Hier wurde 1348 die erste Universität in Mitteleuropa gegründet. Die „Goldene Stadt“ zeigt heute ein geschlossenes, von Gotik und Barock geprägtes Stadtbild mit vielen prachtvollen Kirchen, Palästen und Bürgerhäusern. Seit 1992 gehört der historische Stadtkern Prags zum Weltkulturerbe der UNESCO.
In Prag konzentrierte sich der wichtigste Salzmarkt Böhmens. Die Stadt wurde sowohl vom Süden (Passau, Salzburg, Gmunden) als auch vom Norden (Halle) mit Salz beliefert. Das in Prag als ‚Meißner‘ bezeichnete Salz der halleschen Salinen erreichte die Stadt im 14.-16. Jahrhundert über den Landweg und über Elbe und Moldau. Die regelmäßige Versorgung des böhmischen Marktes mit Salz aus dem Norden stellte Kaiser Karl IV. durch das ‚Konkurrenzprinzip‘ sicher. Gemäß der ‚Goldenen Bulle‘ von 1356 bildeten alle Salzvorräte des Landes das ‚Königliche Regal‘.
Die Zölle wurden im 14. Jahrhundert im Teynhof (nach den Zolleinnahmen auch Ungelt genannt) in der Prager Altstadt (neben heutiger Teynkirche) eingezogen. Salz wurde gegen Getreide, Wein, Braugerste, Pelze, Holz und Buntmetalle getauscht. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts regierten in Prag die Habsburger, die das österreichische Salz aus Gmunden bevorzugten, so dass die Lieferungen aus Halle schnell absanken. Nach 1620 hatte sich das Monopol für dieses Salz in ganz Böhmen durchgesetzt.